Die von der Innenoberfläche von Kesselbauteilen ausgehende rissartigen Korrosionen sind seit Jahrzehnten bekannt und meist auf kritische Dehngeschwindigkeiten, Dehnwechselbeanspruchung und schlechter Konservierung, d.h. Angriff durch Sauerstoff zurückzuführen.
Zusätzlich zur Anrissbildung kommt es zu einer Verletzung der Schutzschicht, die auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden kann. Meist ist das Aufreißen mechanisch bedingt. Die Ursache kann aber auch ein chemischer Angriff ( Lochfraß ) oder ein thermisch bedingtes Abplatzen der Schicht sein. In Abhängigkeit der Beanspruchung bilden sich unterschiedliche Rissufergeometrien aus, die für die Auffindbarkeit mit zerstörungsfreien Prüfverfahren von Bedeutung sind.
Die an Bauteilen des Kessels sowie den Rohrleitungen auftretenden betriebsbedingten Schädigungen sind auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen. Nur eine systematische Untersuchung der jeweiligen Schadensmechanismen ermöglicht die Formulierung von Anforderungen an die Konstruktion, die Werkstoffwahl, die Bau- und Montageüberwachung und nicht zuletzt an die wiederkehrenden Prüfungen um zukünftige Schäden weitestgehend zu vermeiden oder zu minimieren.
Bei der Bewertung von Prüfbefunden ist es für das weitere Vorgehen wichtig zu wissen, ob die festgestellte Schädigung auf den Herstellungsprozess oder die Beanspruchung durch den laufenden Betrieb zurückzuführen ist. Bei den auf Betriebsbeanspruchung basierenden Schädigungen kann jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass die eigentliche Schadensursache häufig auch auf Mängel in der Konstruktion, der Herstellung oder der Montage zurückzuführen ist.
Im Rahmen der Schadensanalyse gelingt meist eine Rekonstruktion der jeweiligen Schadensursache. Die Erkenntnisse aus diesen Analysen führen neben der Verbesserung der Werkstoffe auch zu systematischen Konzepten für das Vorgehen im Rahmen wiederkehrender Prüfungen.
In die Konzeption von wiederkehrenden Prüfungen sollten vor allem die Ergebnisse der werkstoffkundlichen Schadensuntersuchungen als auch die im Nachgang aufgetretener Schäden durchgeführten weitergehenden Prüfmaßnahmen an vergleichbaren Bauteilen und Komponenten einfließen. Werden mit dem angewendeten Prüfverfahren Schädigungen in entsprechender Größe detektiert, führt dies in der Regel zum Austausch des entsprechenden Bauteils.
Wenn möglich sollte auch anhand des ausgebauten Bauteils der Befund der zerstörungsfreien Prüfung verifiziert werden, um für die Fehlerbewertung betrieblich bedingter Schädigungen im Rahmen zukünftiger zerstörungsfreier Prüfungen eine größere Beurteilungssicherheit zu bekommen. Dies ist notwendig, da sich die Anforderungen der zerstörungsfreien Prüftechnik weitestgehend auf Fehler beschränken, die aus der Herstellung oder Montage herrühren. Für Schädigungen, die auf Beanspruchungen durch den laufenden Betrieb zurückzuführen sind, müssen oft besondere Prüfparameter berücksichtigt werden.